Interview | Rettung von Lebensmitteln – SirPlus

Wer SirPlus noch nicht kennt, hat jetzt die Chance von einem genialen Projekt zu erfahren. Gerade noch ein Crowdfunding-Projekt und jetzt ist SirPlus auch schon erfolgreich am Start und rettet viele Lebensmittel.

Wer Foodsharing kennt, weiß was ich meine, wenn ich von Lebensmittel retten spreche. SirPlus ist etwas anders als Foodsharing, aber davon mehr im folgenden Interview.

Wer ist SirPlus? Stellt euch bzw. das Unternehmen kurz vor.

SirPlus ist ein junges Startup aus Berlin, das Anfang 2017 von den Lebensmittelrettungs-Pionieren Raphael und Martin und dem Unternehmer Alexander gegründet wurde und durch Crowdfunding ermöglicht wurde. Das 22-köpfige Team bietet mit Food Outlet Stores und einem Online Shop die Lösung, um noch genießbare Lebensmittel vor der Tonne zu retten und sie stattdessen zurück in den Kreislauf zu bringen.

Was macht SirPlus? Beschreibt euer Konzept.

SirPlus ist der erste Food Outlet Store in Berlin, in dem überschüssige, gerettete Lebensmittel verkauft werden, die anderswo aussortiert werden, weil sie zu klein, zu krumm, zu alt oder einfach andersartig sind und daher für die Industrie nicht nutzbar sind. SirPlus bringt diese Lebensmittel wieder in den Kreislauf zurück.

Durch unsere Food Outlet Stores und den Online-Shop machen wir das Lebensmittelretten revolutionär einfach und geben allen Menschen die Möglichkeit, Teil der Lösung zu werden – ohne dafür in die Tonne greifen zu müssen. Entlang der Wertschöpfungskette sorgen wir für eine praktische Lösung und leisten Aufklärung, um die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren und zu vermeiden. Außerdem spendet SirPlus 20% der Lebensmittel an gemeinnützige Organisationen.

Wie und wann ist die Idee dazu entstanden?

Lebensmittelretten war kein Neuland für Raphael und Martin. ​Raphael hat bereits fünfeinhalb Jahre im Geldstreik gelebt, um auf das Problem der Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen. Außerdem initiierte er 2012 die Lebensmittelretter-Bewegung (heute ​foodsharing​).

Zusammen mit seinem langjährigen Wegbegleiter Martin wollte Raphael eine Lösung schaffen, um möglichst alle Lebensmittel vor der Tonne zu retten. Anfang 2017 haben sich Raphael und Martin dazu mit dem Unternehmer Alexander zusammengetan, um das Impact-Startup SirPlus zu gründen. Nach erfolgreicher Crowdfunding-Kampagne wurde der erste Food Outlet Store im September 2017 in Berlin-Charlottenburg eröffnet.

Raphael Fellmer

Woher bezieht ihr die Lebensmittel? Wie viele Kooperationen konnten ihr bisher schließen?

Unsere Lebensmittel beziehen wir von verschiedenen Groß- und Einzelhändlern, Produzenten und Logistikern, die uns ihre überschüssige Ware für ein kleines Entgelt zur Verfügung stellen, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen oder fast abgelaufen ist, es eine Überproduktion gab, die Lebensmittel nicht rechtzeitig am Bestimmungsort ankommen oder die Qualität oder Frische nicht mehr den Anforderungen des Unternehmens entspricht. Zusätzlich arbeiten wir direkt mit Landwirten zusammen, deren überschüssiges Gemüse wir dann im Food Outlet Store in Berlin-Charlottenburg anbieten. Bisher gibt es über 80 Kooperationspartner.

Was kostet die Lebensmittelrettung bei SirPlus im Gegensatz zum normalen Preis in den Supermärkten?

Bei SirPlus werden geretteten Lebensmittel bis zu 70 Prozent günstiger angeboten.

Welche Philosophie verkörpert SirPlus? Warum ist euch das Thema Lebensmittelverschwendung so wichtig?

Ein drittel aller produzierten Lebensmittel landen in der Tonne. In Deutschland werden jährlich 20 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet – das entspricht etwa einer LKW-Ladung pro Minute.

Unsere Vision ist es, die Wertschätzung für alle Lebensmittel zu stärken und das Lebensmittelretten für Konsumenten und für den Handel zum Mainstream zu machen, um die Lebensmittelverschwendung dadurch massiv zu reduzieren. Mit unserer skalierbaren Lösung wollen wir die Verschwendung nachhaltig senken und die Ressourcen unserer Mutter Erde schützen.

Was war euer bisher größter Erfolg?

Erfolg ist für uns die Zufriedenheit unserer KundInnen, mit deren Unterstützung wir seit der Eröffnung des ersten Food Outlets im September bereits über einhundert Tonnen Lebensmittel in den Kreislauf zurückbringen konnten.

Außerdem ist jedes gerettete Lebensmittel selbst Teil des Erfolgs. Die Eröffnung des ersten Food Outlet Stores war bisher der größte Meilenstein, der auch nur durch die Unterstützung vieler lieber Menschen möglich war.

Was werden die Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? (Beispiele anhand von Gesellschaft, Markt und des Unternehmens)

Nachdem jetzt der SirPlus Lieferservice gestartet ist, wird es im nächsten Schritt um die Etablierung eines digitalen Marktplatzes gehen, um Angebot und Nachfrage von überschüssigen Lebensmitteln systematisch und sinnvoll zusammenzuführen. Mit der Plattform sollen alle Teilnehmer der Wertschöpfungskette angesprochen und einbezogen werden: von Landwirten und Produzenten, über Distributoren und Logistiker bis hin zu Großhandel und Supermärkten. Außerdem sind für die nächsten Jahren weitere Filialeröffnungen in Europa geplant

Mit weiteren Food Outlet Stores und dem Lieferservice werden wir noch mehr Lebensmittel retten können, als bisher im SirPlus Food Outlet in Berlin-Charlottenburg möglich ist – und noch mehr Menschen erreichen. Mit unserem digitalen Marktplatz werden wir eine Lösung für andere Unternehmen schaffen, um diese dabei zu unterstützen, ihre eigene Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Somit wollen wir das Lebensmittelretten im großen Stil ermöglichen.

Für gemeinnützige Organisationen wie beispielsweise die Tafeln, foodsharing ​oder andere wird SirPlus seine innovative Software übrigens kostenlos zur Verfügung stellen, um deren bestehende Koordination von Betrieben, Lieferrouten, Abholzeiten und Kooperationen zu digitalisieren, stark zu vereinfachen und massiv zu beschleunigen.

Was wünscht sich SirPlus für die Zukunft? Wo soll die Reise hingehen?

Wir wollen natürlich weiterhin so viele Lebensmittel wie möglich retten, möglichst viele Menschen und auch Unternehmen mit unserem Konzept erreichen und die Wertschätzung von Lebensmitteln zu einer Selbstverständlichkeit machen. Denn nur wenn die Lebensmittelverschwendung auf lange Sicht reduziert und vermieden wird, erfüllen wir unsere Aufgabe. Das wollen wir gemeinsam mit den Konsumenten, dem Handel und den Produzenten schaffen.

Was könnt ihr meinen LeserInnen in Sachen Nachhaltigkeit empfehlen?

Nachhaltigkeit beginnt damit, andere mit der Idee anzustecken: bewusst einkaufen und einen Überblick über gekaufte Lebensmittel behalten – sich über die richtige Lebensmittellagerung informieren – die eigenen Sinne einschalten und wieder lernen mehr auf Geschmackssinn, Geruchssinn und der allgemeinen Wahrnehmung zu vertrauen – Lebensmittel teilen und rechtzeitig verschenken, bevor sie nicht mehr verwertet werden können und in der Tonne landen – insgesamt die Wertschätzung von Lebensmitteln in der Familie sowie im Bekannten- und Freundeskreis vorleben und anderen dieses Bewusstsein näher bringen!

Und wenn wir generell über einen ökologischen Fußabdruck reden, ist es sinnvoll, sich möglichst pflanzlich zu ernähren, denn weltweit wird rund 70% der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche nur für Tiere verwendet. Die Treibhausgase der Tierindustrie sind größer als die des weltweiten Verkehrssektors.

Super SirPlus und weiter so. Ich stimme voll zu, wir alle müssen unsere Lebensmittel viel mehr wertschätzen. Überproduktionen und eigene Verschwendung müssen aufhören. In meinem täglichen Leben versuche ich alles zu verwerten was nur möglich ist, selbst aus Gemüseabfällen mache ich einen Fond. Super lecker im Übrigen 😉 

Meine LebensmittelRetterBox

Ich hatte SirPlus auch bei der Crowdfunding-Aktion unterstützt und eine wunderbare Retterbox erhalten. Es waren viele Leckereien dabei.

Auch wenn ich von dem vielen Verpackungsmüll nicht ganz so begeistert war (aber dafür kann SirPlus nichts) waren alle Sachen einwandfrei und absolut genießbar, selbst die krummen, buckligen oder abgelaufenen Lebensmittel.

Wenn du also in Berlin und Umgebung bist, solltest du bei SirPlus vorbeischauen oder dir aber einfach mal eine LebensmittelRetterBox liefern lassen. Wirklich empfehlenswert und wie bereits erwähnt auch noch günstig (ca. 70% werden gespart). 

Neue Lokalität gesucht!

SirPlus sucht gerade eine neue Lokalität im Berliner Ring. Wenn du also was weißt, jemanden kennst oder jemanden kennst, der jemanden kennt… Du kennst das Spiel 😉

 

Rette auch du Lebensmittel vor der Tonne!

Stefanie*

 

 

Stefanie Verfasst von:

Hi, ich bin Stefanie und blogge auf Alt trifft Neu über Upcycling und Green Lifestyle, dem nachhaltigen Lebensstil. Ich freue mich, dich auf meine Reise mitzunehmen.

4 Comments

  1. Februar 22
    Reply

    Absolut grandios, dass sich immer mehr Unternehmen und Kampagnen gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen. Durch mein Engagement bei Foodsharing weiß ich, wie viel weggeworfen wird. Und auch, dass nicht alles durch Tafeln, Foodsharing oder andere Ehrenamtliche Organisationen gerettet werden kann. Ich bin dabei erstaunt, dass die Idee eines Supermarkts und Online-Shops erst jetzt in Angriff genommen wird, in England ist Approved Food schon seit Jahren erfolgreich.

    • Februar 22
      Reply

      Bin ich deiner Meinung. Approved Food kenne ich gar nicht. Danke für den Hinweis 🙂

  2. Februar 9
    Reply

    Never heard of it. World wide so many food is wasted. This is a great initiative and a great way to reduce food spillage!
    I recently came across a small local group in Amsterdam that also saves food but in a different way!

  3. Aliena
    Januar 30
    Reply

    Von diesem Projekt habe ich schon gehört, finde ich wirklich prima.
    Liebe Grüße, Aliena

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